Pfarrerin Isabel Stuhlmann im Gespräch mit Marianne Heusi

Turbenthal 5 <span class="fotografFotoText">(Foto:&nbsp;Marianne&nbsp;Heusi)</span><div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>ref-turbenthal-wila.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>5</div><div class='bid' style='display:none;'>1399</div><div class='usr' style='display:none;'>5</div>
Um der Gemeinde Gelegenheit zu geben, die zur Wahl vorgeschlagene Pfarrerin kennenzulernen, wird Isabel Stuhlmann am 14. März den Gottesdienst in Turbenthal gestalten.
Im Gespräch wollte Marianne Heusi zudem erfahren, wie sich Pfarrerin Isabel Stuhlmann der Gemeinde vorstellen möchte.





Worauf freust du dich?
Auf die tolle Kollegin und den kollegialen Austausch.
Auch auf die Neugier, die mir von Seiten der Pfarrwahlkommission entgegenkam. In dieser Atmosphäre ist es möglich Neues zu wagen und das Wichtige an Altem zu bewahren.
Und auf das Sekretariat, das gut besetzt ist. So ist es eine grosse Stütze und entlastet von administrativen Arbeiten.
Das Vorstellungsgespräch war gut vorbereitet. Es zeigte mir, dass die Behörde am Leitbild dran ist und strategisch führen will.

Was ist dir wichtig?
Im Gespräch sagte Heidi Noll: «Ich brauche eine Vision, auf die hin ich arbeiten kann.» Das ist auch mir wichtig. Für die Gemeinde brauche ich gern das Bild eines Orchesters. Da braucht es alle, um das Evangelium zum Klingen und die Menschen in Bewegung zu bringen. Nach einem Pfarr-Solo ist es wichtig, auch wieder in den Hintergrund zu treten. Für den Gesamtklang braucht es alle, auch den unscheinbaren Triangel. Es ist schön, wenn immer wieder neue Mitspieler und Mitspielerinnen dazustossen, auch ungeübte, die sich aufmachen, das kirchliche Leben neu für sich zu entdecken.
Ich freue mich, dass Heidi Noll Abendgottesdienste mit Taizé-Liedern und Mediation eingeführt hat.
Mir ist die Begegnung mit anderen Glaubensrichtungen wichtig. Im Chor der Religionen hat für mich das Christentum vor allem im Umgang mit Schuld und Vergebung eine eigenständige und hörenswerte Stimme. Und selbst hier fusst das Eigene auf der Tradition einer anderen Religion, nämlich der jüdischen.

Was bringst du mit?
Meine Biografie ist kein fadengerader Weg. Ich bin erst seit drei Jahren Pfarrerin. Heute sage ich: Ich bin fromm. Aber dieses Wort musste ich mir erobern. Für mich bedeutet fromm, an Gott zu hangen.
Aufgewachsen bin ich in wohlbehüteten Verhältnissen in Elgg. Das Tösstal ist mir deshalb vertraut. Die Mittelschule besuchte ich in Winterthur und studierte dann Psychologie und Pädagogik. Ich schloss das Studium jedoch nicht ab, sondern bin in einem Praktikum im Schulheim Elgg hängengeblieben.
In dieser Zeit lernte ich meinen Mann kennen und wir heirateten. Er hatte bereits zwei Kinder und ich merkte, dass das Studium nicht mehr Platz hatte. 1995 und 1997 kamen unsere gemeinsamen Kinder zur Welt. Alle vier sind inzwischen erwachsen und ausgeflogen.
Bis 2017 arbeitete mein Mann als Heimleiter des Alterswohnheim Flaachtal. Aus diesem Grund haben wir auch ein paar Jahre in Flaach gewohnt, bis wir 2001 in mein Elternhaus in Elgg zogen. Jetzt ist mein Mann frühpensioniert und hält mir den Rücken frei. Er reist gern mit dem Wohnmobil und dem Velo. Mein Velo hat einen Motor, damit unser Tempo zusammenpasst. Damit komme ich aber auch gut von Turbenthal nach Wila, wenn wir dann wie gewünscht in meinem neuen Wirkungsort Wohnsitz genommen haben. Aber wenn man erst aus dem Haus kommt, wenn man schon beim Taufgespräch sein sollte, nimmt man halt das Auto.

Du bist über die Katechetik zur Theologie gekommen.
Das stimmt. Wenn ich damals nicht zugesagt hätte, kirchlichen Unterricht zu übernehmen, wäre ich vielleicht nie Pfarrerin geworden, obwohl ich es mir bei der Matura schon einmal kurz überlegt hatte. In der Arbeit als Katechetin merkte ich, dass mir das Wissen, das ich hatte, nicht reichte. Ich wollte mehr und entschied, Theologie zu studieren.
Der historisch kritische Zugang zur Bibel, führte dann aber auch zu Enttäuschungen. Dass z.B. Daniel eine Erzählung ist und nicht etwas, das historisch so stattgefunden haben kann, enttäuschte mich zunächst so sehr, dass ich die Geschichte nie mehr erzählen wollte. Erst auf den zweiten Blick erschloss sich mir der Gewinn dieser Sicht. Viele Aussagen auch im neuen Testament lassen sich erst verstehen und für die heutige Zeit zum Leben erwecken, wenn man den historischen Hintergrund versteht. Darum verwende ich oft Kommentare, um eine Predigt zu erarbeiten. Auf dem Hintergrund des Studiums können Pfarrpersonen so für die Gemeinde den Sinn von biblischen Geschichten erschliessen. Im Studium geht es auch darum, die theologische Fachsprache zu lernen. Nach dem Studium müssen wir diese wieder verlernen, um allgemein verständlich reden zu können. Es gibt jedoch Fachwörter, die nicht übersetzbar sind. Diese soll man brauchen und erklären.
Die Jahreslosung 2021 enthält so ein Fachwort. ‘Barmherzig’ lässt sich nicht übersetzen. Barmherzig sein, heisst sich radikal auf die Seite des Gegenübers stellen. Dafür gibt es kein anderes angemessenes Wort.

Herzlichen Dank für das Gespräch. Deine lebendige Art, die theologischen Bezüge und die Aktualität, die das Evangelium in deinen Aussagen versprüht, machen Lust darauf, einen gemeinsamen Weg zu wagen.
Dir sei Dank für deine wohlwollende Neugier. Lust, diesen gemeinsamen Weg zu wagen, verspüre auch ich. Ich bin gespannt, wer alles mit aufbricht. Hoffentlich ist es eine kunterbunte Schar jeden Alters und jeder weltanschaulichen Couleur. Auf die erste Begegnung am Vorstellungsgottesdienst vom 14. März freue ich mich.


Kommende Anlässe im Zusammenhang mit der Wahl von Pfarrerin Isabel Stuhlmann

14. März 2021, 9.30 Uhr
Gottesdienst mit Pfrn. Isabel Stuhlmann in der reformierten Kirche Turbenthal

19. März 2021, 19.30 Uhr
Kirchgemeindeversammlung in der reformierten Kirche Turbenthal (Vorberatung der Urnenabstimmung über die Wahl)

13. Juni 2021
Urnenabstimmung über die Wahl von Pfarrerin Isabel Stuhlmann auf die neu zu besetzende 90%-Pfarrstelle in der reformierten Kirchgemeinde Turbenthal-Wila